2006. Mein Büro für Wettbewerbsbetreuung ist frisch gegründet. Mit meiner ersten Mitarbeiterin werden wir für unseren zweiten Auftrag in den Süden von Leipzig gerufen. Borna. Braunkohleabbau, verschwundene Landschaften, dazwischen entstehen Seen. Ortschaften bleiben übrig wie Inseln, mit einer Zufahrtsstraße. Unser Ziel heißt Neukieritzsch. Eine Gemeinde möchte eine Mehrzweckhalle als zentralen Treffpunkt des Ortes errichten. Auf den Flächen der Gemeinde liegt eines der größten Kraftwerke Mitteldeutschlands. Von der Südumfahrung Leipzig aus ist es weithin einsehbar. Gleichzeitig gingen einige Ortsteile an den Braunkohleabbau verloren.

Uns fällt das positive Klima im Ort auf. Es gibt viele Neubauten, der Markt wurde neu gestaltet und Siedlungsbauten zurückgebaut. Die Gemeinde kümmert sich städtebaulich um eine funktionierende Struktur. Sie legt eine „Eigenheimzulage“ für junge Familien auf, die bei Neubau und Erwerb von gebrauchten Häusern im Ort greift. Die Mehrzweckhalle soll energieeffizient gebaut werden und weitere Sportanlagen mit einbinden, und damit die Qualität des Ortes und seiner Infrastruktur weiter verstärken.

Bei der Organisation des zweiphasigen, EU-weiten Wettbewerbs mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren fällt uns die durchgehend präzise Arbeit auf. Obwohl hier „auf dem Land“ Gemeinderatsmitglieder, Nutzer und Beteiligte oft in Personalunion vertreten sind, gibt es keinen „Klüngel“. Ob Karnevalsverein oder Gemeinderat, Freibadnutzer oder Sportheimbetreiber – überall ist das Bemühen spürbar, die für den Ort allerbeste Lösung zu finden. Informationslecks werden erfragt, die besten Möglichkeiten evaluiert, in der Runde wird konzentriert diskutiert und schließlich entschieden. Nach Abstimmung der Auslobung zum Wettbewerb halten wir ein Heft in den Händen, zu dem alle beigetragen haben und jetzt voll und ganz zustimmen können.

Insbesondere der damals 34-jährige Bürgermeister Henry Graichen, genießt ein hohes Ansehen und hat auch den Mut, Unsicherheit zuzugeben und ggf. andere Wege zu gehen. So entscheidet sich die Jury unter dem Vorsitz von Frau Prof. Iris Reuther, Büro für Urbane Projekte aus Leipzig, für zwei erste Preise, die zur Überabeitung freigegeben wurden. Die Empfehlungen finden Eingang in die Entwürfe der Büros codeunique, Dresden und dd1 Architekten, Dresden. So wird im Mai 2007 entschieden, das Büro codeunique für die Erstellung der Halle zu beauftragen http://www.competitionline.com/de/wettbewerbe/7029.

Damit ging unsere Zeit der Zusammenarbeit zu Ende und die Vorplanung der Halle konnte beginnen. In der Zwischenzeit hat sich die Gemeinde entschlossen, auch noch die Sportanlagen mit in die Planung einzubeziehen. So wurde aus der Mehrzweckhalle mit Kegelbahn die „Parkarena Neukieritzsch“.

Im Septemer hat das Staatsministerium des Inneren die Gemeinde und die Architekten mit dem Sächsischen Staatspreis für Baukultur 2013 ausgezeichnet: http://www.competitionline.com/de/wettbewerbe/13523.

Hierzu sagte Sachsens Innenminister bei der Preisverleihung im Militärhistorischen Museum in Dresden:

„Der Preis fördert die Baukultur. Das bedeutet Bürgerstolz mit dem Anspruch, die eigene Stadt zu gestalten. Baukultur bedeutet heute mehr denn je Bauen und Planen mit Vision. Die Parkarena in Neukieritzsch steht dafür beispielhaft.“

Dem kann ich voll und ganz zustimmen. Bürgerstolz, Anspruch und Visioin haben wir in Neukieritzsch klar kennen und schätzen gelernt. Gerne haben wir mit unserer Wettbewerbsbetreuung den Boden für diesen Erfolg bereitet!

Herzlichen Glückwunsch, Neukieritzsch!

Situation vor dem Neubau 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Situation vor dem Neubau 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Gastraum im Sportlerheim, 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Gastraum im Sportlerheim, 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Am alten Sportplatz, 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Am alten Sportplatz, 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Umkleidekabinen Freibad 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

Umkleidekabinen Freibad 2006 / Foto: Sheila Eilenberg

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